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    Rechtliches & PlanungZürich

    Kirchlich heiraten im Kanton Zürich: reformiert, katholisch, frei – was gilt?

    Annika Miller

    19. Juni 2026

    Kirche in den Bergen

    Die Frage kommt früh: Wie soll unsere Zeremonie aussehen? Für viele Paare ist das die persönlichste Entscheidung der ganzen Hochzeitsplanung, weit persönlicher als die Wahl der Location oder des Menüs. Im Kanton Zürich habt ihr drei Richtungen: die reformierte Kirche, die katholische Kirche oder eine freie Trauung ohne religiösen Rahmen. Alle drei haben ihre eigenen Voraussetzungen, Kosten und Spielräume.

    Eines gilt für alle drei: Die zivile Trauung beim Zivilstandsamt ist immer Pflicht. Sie muss zuerst stattfinden. Kirchliche und freie Zeremonien haben in der Schweiz keine rechtliche Wirkung, sie ergänzen das standesamtliche Ja-Wort, ersetzen es aber nicht.

    Die reformierte Trauung im Kanton Zürich

    Wer darf reformiert heiraten?

    Für eine reformierte Trauung im Kanton Zürich muss mindestens einer der beiden Partner Mitglied der Evangelisch-reformierten Landeskirche sein. Die Voraussetzungen sind damit vergleichsweise offen, der andere Partner kann auch konfessionslos oder andersgläubig sein.
    Geschiedene Personen können in der reformierten Kirche grundsätzlich erneut kirchlich heiraten, allerdings liegt das im Ermessen des Pfarrers. Gleichgeschlechtliche Paare können in der reformierten Kirche im Kanton Zürich seit 2022 ebenfalls getraut werden, seit die «Ehe für alle» in Kraft getreten ist.

    Was kostet eine reformierte Trauung?

    Für reformierte Mitglieder der Kirchgemeinde steht die Kirche am Wohnort kostenlos zur Verfügung. Das gilt für jede reformierte Kirche im Kanton Zürich sofern mindestens ein Partner der entsprechenden Kirchgemeinde angehört. Ausgenommen von der Kostenfreiheit sind: ein externer Organist, Blumenschmuck, und allfällige Kosten für besondere Musiker. Diese trägt das Paar selbst.

    Wünscht ihr euch eine Kirche ausserhalb eurer Wohngemeinde, zum Beispiel eine der schönen historischen Zürcher Stadtkirchen, solltet ihr euch frühzeitig mit dem jeweiligen Pfarramt in Verbindung setzen. Auswärtige Paare können die Kirche in vielen Fällen gegen eine Mietgebühr nutzen.

    Wie läuft die Planung ab?

    Die Planung einer reformierten Trauung im Kanton Zürich beginnt am besten 12 Monate im Voraus, da beliebte Kirchen in der Stadt Zürich oft so früh schon ausgebucht sind. Meldet euch dafür frühzeitig beim Pfarramt eurer Kirchgemeinde oder der Wunschkirche.

    Anschliessend folgt ein Traugespräch mit dem Pfarrer. Das ist ein persönliches Gespräch, in dem eure Wünsche für die Zeremonie besprochen werden: Bibeltexte, Fürbitten, Musik, Ringtausch und Ablauf. Die reformierte Trauung beinhaltet nach kirchlicher Ordnung eine seelsorgerliche Ansprache an das Paar, das Eheversprechen und die Segnung.

    Der Gestaltungsspielraum ist in der reformierten Kirche vergleichsweise gross. Ob Livemusik, ein bestimmtes Lied oder persönliche Texte, vieles ist möglich, solange die Pfarrperson einverstanden ist.

    Kann die Zeremonie auch ausserhalb der Kirche stattfinden?

    Die reformierte Kirche erlaubt Trauungen grundsätzlich auch ausserhalb eines Kirchengebäudes – im Park, am See oder an einem anderen für das Paar bedeutsamen Ort – wenn die Pfarrperson zustimmt und der Rahmen dem Anlass angemessen ist. Das ist aber keine Selbstverständlichkeit, sondern liegt im Ermessen der zuständigen Pfarrperson. Besprecht das frühzeitig.

    Kirchenfenster

    Die katholische Trauung im Kanton Zürich

    Wer darf katholisch heiraten?

    Für eine Trauung in einer katholischen Kirche muss mindestens einer der beiden Partner der katholischen Kirche angehören. Die Kirche versteht die Ehe als Sakrament, als unauflöslichen Bund fürs Leben.
    Ist nur einer der Partner katholisch und der andere einer anderen Konfession angehörig, spricht man von einer konfessionsverbindenden Ehe. Diese ist in der Schweiz heute für fast die Hälfte aller Paare Realität. Vor der Trauung ist dafür die Zustimmung der Kirche einzuholen.
    Ist einer der Partner keiner Konfession angehörig oder einer anderen Religion, ist eine Kirchenheirat grundsätzlich möglich, erfordert aber ebenfalls eine Dispens und ein Gespräch mit dem Pfarramt.

    Wichtig
    Die katholische Kirche kennt keine Trauung für gleichgeschlechtliche Paare. Jeder Mensch kann unabhängig von seiner Lebensform einen kirchlichen Segen empfangen, eine Trauung im Sakramentsverständnis bleibt der Ehe von Mann und Frau vorbehalten.

    Geschiedene Personen können nach einer Scheidung grundsätzlich nicht erneut katholisch heiraten, da die Ehe nach katholischem Verständnis unauflöslich ist. Es gibt jedoch in bestimmten Fällen die Möglichkeit einer kirchlichen Ehenichtigkeitserklärung. Das ist allerdings ein eigenes, aufwendiges Verfahren.

    Was kostet eine katholische Trauung?

    Die Kirche am Wohnort steht Pfarreimitgliedern kostenlos zur Verfügung. Wünscht ihr euch eine andere Kirche, fallen in der Regel Spesen an: Sigristendienst, Organist und Blumenschmuck. Diese Kosten variieren je nach Kirchgemeinde.

    Wie läuft die Planung ab?

    Nehmt frühzeitig Kontakt mit dem Pfarramt eures Wohnorts auf. Die katholische Kirche legt grossen Wert auf eine sorgfältige Ehevorbereitung. In Zürich wird dafür unter anderem ein Eheseminarkurs angeboten – ein Vorbereitungskurs für Paare, der empfohlen wird und in bestimmten Fällen erwartet wird.

    Wichtig
    Bei der Trauung muss zwingend ein katholisch anerkannter Priester oder Diakon anwesend sein. Das Brautpaar spende sich selbst das Sakrament, der Geistliche bezeugt es.

    Wo findet die Trauung statt?

    Katholische Trauungen finden in der Regel in einer Kirche oder Kapelle statt – in einem geweihten Raum. Trauungen im Freien oder an anderen Orten sind nur in begründeten Ausnahmefällen und mit bischöflicher Genehmigung möglich.

    Die ökumenische Trauung: reformiert und katholisch zusammen

    Wenn einer der Partner reformiert und der andere katholisch ist, gibt es eine dritte Option: die ökumenische Trauung. Dabei wirken Pfarrpersonen beider Konfessionen gemeinsam an der Zeremonie mit.

    Die Kirchen erkennen sich gegenseitig an, ihr müsst euch aber entscheiden, ob die Trauung rechtlich gesehen nach reformierter oder katholischer Form vollzogen wird. Bei einer ökumenischen Trauung in der reformierten Kirche müssen bei Beteiligung eines katholischen Priesters zwei Trauzeugen das Eheprotokoll der katholischen Kirche unterzeichnen. Die Einzelheiten besprecht ihr direkt mit beiden Pfarrämtern.

    Wer die Einfachheit bevorzugt: Viele gemischtkonfessionelle Paare entscheiden sich für eine reformierte Trauung mit der Möglichkeit, einen Segen durch beide Konfessionen einzubauen. Die Vorbereitung ist in der Regel unkomplizierter.

    Braut mit Brautstrauss

    Die freie Trauung: ohne Kirche, ohne Vorgaben

    Was ist eine freie Trauung?

    Eine freie Trauung (auch symbolische Trauung oder Zeremonie genannt) ist eine individuell gestaltete Hochzeitszeremonie ohne religiösen oder institutionellen Rahmen. Sie wird von einem freien Trauredner oder einer freien Traurednerin geleitet und findet nach der Ziviltrauung statt. Rechtliche Wirkung hat sie keine, das Ja-Wort beim Zivilstandsamt bleibt die einzige rechtsgültige Eheschliessung. Die freie Trauung ist der emotionale und persönliche Rahmen darum.

    Wer darf eine freie Trauung feiern?

    Jedes Paar. Die freie Trauung hat keine Voraussetzungen bezüglich Konfession, Vorehen oder Familienstand. Auch gleichgeschlechtliche Paare, geschiedene Personen und interreligiöse Paare können eine freie Zeremonie feiern.

    Die Bezeichnung «Trauredner» ist in der Schweiz keine geschützte Berufsbezeichnung – grundsätzlich kann jede Person diesen Service anbieten. Bei der Suche lohnt es sich, auf Erfahrung, Referenzen und ein persönliches Erstgespräch zu achten.

    Wo findet die freie Trauung statt?

    Überall. Am Zürichsee, in einem Weinberg, in einer Scheune, auf einem Berggipfel oder in der Hochzeitslocation direkt vor dem Dinner. Die freie Trauung ist ortsunabhängig – das ist einer ihrer grössten Vorteile. Manche reformierte Kirchgemeinden stellen ihre Kirchen auch für freie Trauungen zur Verfügung. Fragt direkt beim Pfarramt nach.

    Was kostet eine freie Trauung?

    Das Honorar für einen professionellen Trauredner oder eine professionelle Traurednerin in der Schweiz liegt typischerweise zwischen CHF 1'500 und CHF 2'800. Im Preis enthalten sind in der Regel: ein oder mehrere ausführliche Vorgespräche, die individuelle Ausarbeitung der Zeremonie und Rede, die Durchführung am Hochzeitstag sowie die Anreise. Einige Trauredner bringen eine eigene Soundanlage mit – fragt das beim Erstgespräch ab. Hinzu können Kosten für Location, Mobiliar, Dekoration und Technik kommen, das liegt in der Verantwortung des Paares.

    Wie läuft die Planung ab?

    Die Buchung eines Trauredners in der Region Zürich sollte mindestens sechs bis zwölf Monate im Voraus erfolgen, gute Anbieter sind wie Fotografen früh ausgebucht. Die meisten Trauredner bieten dafür ein kostenloses Kennenlerngespräch an.

    In der Vorbereitungsphase sprecht ihr ausführlich über eure Geschichte als Paar, eure Wünsche für die Zeremonie und den geplanten Ablauf. Eine professionell vorbereitete freie Trauung dauert in der Vorbereitung 20 bis 35 Stunden.

    Welche Trauungsform passt zu euch?

    Die Wahl zwischen reformiert, katholisch und frei hängt vor allem von eurer Konfession, eurem Wunsch nach Gestaltungsfreiheit und eurem Budget ab. Pauschal lässt sich das nicht beantworten, die folgende Übersicht hilft euch bei der Orientierung.

    Voraussetzung
    ReformiertMind. 1 Partner reformiert
    KatholischMind. 1 Partner katholisch
    FreiKeine
    Rechtswirkung
    ReformiertKeine
    KatholischKeine
    FreiKeine
    Ort
    ReformiertKirche (Ausnahmen möglich)
    KatholischNur geweihter Raum
    FreiÜberall
    Kosten (ungefähr)
    ReformiertCHF 0–500
    KatholischCHF 0–800
    FreiCHF 1'500–2'800
    Gleichgeschlechtliche Paare
    ReformiertJa (seit 2022)
    KatholischNein (Segen möglich)
    FreiJa
    Geschiedene Personen
    ReformiertMeist möglich
    KatholischGrundsätzlich nicht
    FreiJa
    Gestaltungsfreiheit
    ReformiertMittel–gross
    KatholischMittel
    FreiSehr gross

    Was viele vergessen: die Reihenfolge

    Kirchliche und freie Zeremonien dürfen in der Schweiz erst nach der Ziviltrauung stattfinden, nicht davor. Die meisten Paare planen beides am selben Tag: Ziviltrauung am Morgen, kirchliche oder freie Zeremonie am Nachmittag. Manche trennen die beiden Akte auch auf verschiedene Tage, zum Beispiel eine kleine, intime Ziviltrauung und eine grosse Feier mit Zeremonie einige Wochen später. Beides ist möglich.

    Jetzt habt ihr einen ersten Überblick über die verschiedenen Trauformen im Kanton Zürich. Wenn ihr wissen wollt, was eine Hochzeit in Zürich kostet, schaut in den Budgetguide 2026.