← Zurück zum Magazin
    Rechtliches & Planung

    Trauungsformen in der Schweiz: Reformiert, katholisch, frei – was müsst ihr beachten?

    Annika Miller

    24. Juni 2026

    Paar vor Traualtar

    Die Frage, wie die Zeremonie aussehen soll, kommt früh. Für viele Paare ist das die persönlichste Entscheidung der ganzen Hochzeitsplanung. In der Schweiz habt ihr drei Richtungen: die reformierte Kirche, die katholische Kirche oder eine freie Trauung ohne religiösen Rahmen. Alle drei haben ihre eigenen Voraussetzungen, Kosten und Spielräume.

    Eines gilt für alle drei: Die zivile Trauung beim Zivilstandsamt ist immer Pflicht. Sie muss zuerst stattfinden. Kirchliche und freie Zeremonien haben in der Schweiz keine rechtliche Wirkung, sie ergänzen bloss das standesamtliche Ja-Wort, ersetzen es aber nicht.

    Die reformierte Trauung in der Schweiz

    Wer darf reformiert heiraten?

    Für eine reformierte Trauung muss mindestens einer der beiden Partner Mitglied der evangelisch-reformierten Landeskirche sein. Die Voraussetzungen sind damit vergleichsweise offen, der andere Partner kann auch konfessionslos oder andersgläubig sein. Geschiedene Personen können in der reformierten Kirche grundsätzlich erneut kirchlich heiraten, das liegt im Ermessen der Pfarrperson. Gleichgeschlechtliche Paare können in der reformierten Kirche in der ganzen Schweiz getraut werden, seit die «Ehe für alle» am 1. Juli 2022 in Kraft getreten ist.

    Hinweis
    Die reformierten Landeskirchen sind kantonal organisiert. Die Grundregeln sind schweizweit dieselben, einzelne Details, wie etwa zur Nutzung einer Kirche ausserhalb des Wohnkantons oder zu Kostenregelungen, können von Kanton zu Kanton leicht variieren. Für verbindliche Auskünfte empfiehlt sich immer das direkte Gespräch mit dem zuständigen Pfarramt.

    Was kostet eine reformierte Trauung?

    Für reformierte Mitglieder ist die Kirche am Wohnort grundsätzlich kostenlos. Das gilt in den meisten Kantonen auch für eine Kirche ausserhalb des Wohnorts, sofern mindestens ein Partner der reformierten Kirche angehört, teils werden die Kosten unter den Kirchgemeinden verrechnet. Sind beide Partner nicht reformiert, fällt in vielen Kirchgemeinden ein Solidaritätsbeitrag an. Im Kanton Zürich zum Beispiel beträgt dieser CHF 3'000.

    Nicht in der Kostenfreiheit inbegriffen sind: externer Organist, Blumenschmuck, besondere Musiker. Diese Kosten trägt das Paar selbst und liegen je nach Wunsch bei CHF 300 bis CHF 1'200.

    Wie läuft die Planung ab?

    Die Planung einer reformierten Trauung beginnt am besten rund 12 Monate im Voraus, da beliebte Kirchen in Städten und an Seen teils so früh schon ausgebucht sind. Meldet euch dafür frühzeitig beim Pfarramt eurer Kirchgemeinde oder der Wunschkirche.

    Es folgt ein Traugespräch mit der Pfarrperson. Das ist ein persönliches Gespräch, in dem Bibeltexte, Fürbitten, Musik, Ringtausch und Ablauf besprochen werden. Der Gestaltungsspielraum ist in der reformierten Kirche vergleichsweise gross. Ob Livemusik, ein bestimmtes Lied oder persönliche Texte, vieles ist möglich, solange die Pfarrperson einverstanden ist.

    Tipp
    Stimmt den Hochzeitstermin zuerst mit dem Pfarramt ab bevor ihr Restaurant, Location und Fotograf bucht. Pfarrerinnen und Pfarrer sind an Samstagen oft mehrere Monate im Voraus vergeben.

    Kann die Zeremonie auch ausserhalb der Kirche stattfinden?

    Die reformierte Kirche erlaubt Trauungen grundsätzlich auch ausserhalb eines Kirchengebäudes, z.B. im Park, am See oder an der Hochzeitslocation, wenn die Pfarrperson zustimmt und der Rahmen angemessen ist. Das ist aber keine Selbstverständlichkeit, sondern liegt im Ermessen der zuständigen Pfarrperson. Solltet ihr euch für eine Outdoor-Zeremonie interessieren, sprecht das führzeitig mit dem Pfarramt ab.

    Kirche in Bergdorf

    Die katholische Trauung in der Schweiz

    Wer darf katholisch heiraten?

    Für eine Trauung in einer katholischen Kirche muss mindestens einer der beiden Partner der katholischen Kirche angehören. Die Kirche versteht die Ehe als Sakrament, also als unauflöslichen Bund fürs Leben.
    Ist einer der Partner einer anderen Konfession angehörig, spricht man von einer konfessionsverbindenden Ehe. Ein katholischer Partner, der eine konfessionsverbindende Ehe eingeht, braucht einen «Dispens vom Ehehindernis der Konfessionsverschiedenheit», den das Ortspfarramt ausstellt.

    Ist einer der Partner keiner Konfession angehörig oder einer anderen Religion, ist eine Kirchenheirat möglich, erfordert aber ebenfalls eine Dispens.

    Wichtig: Die katholische Kirche kennt keine Trauung für gleichgeschlechtliche Paare. Jeder Mensch kann unabhängig von seiner Lebensform einen kirchlichen Segen empfangen, eine Trauung im Sakramentsverständnis bleibt aber der Ehe von Mann und Frau vorbehalten.

    Geschiedene Personen können nach einer Scheidung grundsätzlich nicht erneut katholisch heiraten, da die Ehe nach katholischem Verständnis unauflöslich ist. In bestimmten Fällen gibt es die Möglichkeit einer kirchlichen Ehenichtigkeitserklärung – ein eigenes, aufwendiges Verfahren.

    Was kostet eine katholische Trauung?

    Die Kirche am Wohnort steht Pfarreimitgliedern kostenlos zur Verfügung. Wünscht ihr euch eine andere Kirche, fallen Spesen an: Sigristendienst, Orgeldienst und Blumenschmuck. Diese Kosten variieren je nach Kirchgemeinde und liegen typischerweise bei CHF 200 bis CHF 800.

    Wie läuft die Planung ab?

    Die Planung einer katholischen Trauung beginnt mit frühzeitigem Kontakt zum Pfarramt des Wohnorts, da die Kirche grossen Wert auf eine sorgfältige Ehevorbereitung legt. Viele Bistümer in der Schweiz bieten dafür einen Ehevorbereitungskurs an. Bei der Trauung muss zwingend ein katholisch anerkannter Priester oder Diakon anwesend sein.

    Wo findet die Trauung statt?

    Katholische Trauungen finden in der Regel in einem geweihten Raum in einer Kirche oder Kapelle statt. Trauungen im Freien oder an anderen Orten sind nur in begründeten Ausnahmefällen und mit bischöflicher Genehmigung möglich.

    Die ökumenische Trauung: reformiert und katholisch zusammen

    Wenn einer der Partner reformiert und der andere katholisch ist, gibt es eine dritte kirchliche Option: die ökumenische Trauung. Dabei wirken Pfarrpersonen beider Konfessionen gemeinsam an der Zeremonie mit.

    Ihr müsst euch entscheiden, ob die Trauung nach reformierter oder katholischer Form vollzogen wird. Bei einer ökumenischen Trauung vor einer reformierten Pfarrperson braucht der katholische Teil eine «Formdispens» – also die Genehmigung des bischöflichen Ordinariats.

    Für die Einfachheit entscheiden sich viele gemischt konfessionelle Paare für eine reformierte Trauung mit einem zusätzlichen Segen durch den katholischen Pfarrer. Die Vorbereitung ist in der Regel unkomplizierter.

    Freie Trauung in der Natur

    Die freie Trauung: ohne Kirche, ohne Vorgaben

    Was ist eine freie Trauung?

    Eine freie Trauung ist eine individuell gestaltete Hochzeitszeremonie ohne religiösen oder institutionellen Rahmen. Sie wird von einem freien Trauredner oder einer freien Traurednerin geleitet und findet nach der Ziviltrauung statt. Rechtliche Wirkung hat sie keine – denn das Ja-Wort beim Zivilstandsamt bleibt die einzige rechtsgültige Eheschliessung. Die freie Trauung ist der emotionale und persönliche Rahmen darum. Und für viele Paare der schönste Teil des Tages.

    Wer darf eine freie Trauung feiern?

    Jedes Paar. Die freie Trauung hat keine Voraussetzungen bezüglich Konfession, Vorehen oder Familienstand. Auch gleichgeschlechtliche Paare, geschiedene Personen und interreligiöse Paare können eine freie Zeremonie feiern.

    Die Bezeichnung «Trauredner» ist in der Schweiz keine geschützte Berufsbezeichnung. Grundsätzlich kann jede Person diesen Service anbieten. Daher lohnt es sich bei der Suche auf Erfahrung, Referenzen und ein persönliches Erstgespräch zu achten.

    Wo findet die freie Trauung statt?

    Sie kann überall stattfinden. Am See, in einem Weinberg, in einer Scheune, auf einem Berggipfel oder direkt an der Hochzeitslocation vor dem Dinner. Die freie Trauung ist ortsunabhängig, das ist einer ihrer grössten Vorteile. Manche reformierte Kirchgemeinden stellen ihre Kirchen auch für freie Trauungen zur Verfügung. Fragt direkt beim Pfarramt nach.

    Was kostet eine freie Trauung in der Schweiz?

    Das Honorar für einen professionellen Trauredner liegt in der Schweiz typischerweise zwischen CHF 1'500 und CHF 2'800. Im Preis enthalten sind in der Regel:

    • Ausführliche Vorgespräche (meist ein bis drei Gespräche)
    • Individuelle Ausarbeitung der Zeremonie und Rede
    • Durchführung am Hochzeitstag
    • Anreise (oft bis zu einer gewissen Distanz)

    Einige Trauredner bringen eine eigene Soundanlage mit, fragt das bei Interesse beim Erstgespräch ab. Hinzu können Kosten für Location, Mobiliar, Dekoration und Technik kommen, die in der Verantwortung des Paares liegen.

    Wie läuft die Planung ab?

    Gute Trauredner in der Deutschschweiz sind wie Fotografen früh ausgebucht , daher solltet ihr die Buchung mindestens sechs bis zwölf Monate im Voraus planen. Die meisten bieten ein kostenloses Kennenlerngespräch an. Das ist der wichtigste Schritt, da die Chemie stimmen muss. In der Vorbereitungsphase sprecht ihr ausführlich über eure Geschichte als Paar, eure Wünsche und den geplanten Ablauf. Eine professionell vorbereitete freie Trauung dauert in der Vorbereitung 20 bis 35 Stunden.

    Welche Trauungsform passt zu euch?

    Die Wahl zwischen reformiert, katholisch und frei hängt vor allem von eurer Konfession, eurem Wunsch nach Gestaltungsfreiheit und eurem Budget ab, von CHF 0 bei einer reformierten Trauung bis CHF 2'800 bei einer freien Zeremonie. Die folgende Übersicht zeigt euch die wichtigsten Unterschiede auf einen Blick.

    Voraussetzung
    ReformiertMind. 1 Partner reformiert
    KatholischMind. 1 Partner katholisch
    FreiKeine
    Ort
    ReformiertKirche, Ausnahmen möglich
    KatholischNur geweihter Raum
    FreiÜberall
    Kosten
    ReformiertCHF 0–500
    KatholischCHF 0–800
    FreiCHF 1'500–2'800
    Gleichgeschlechtliche Paare
    ReformiertJa (seit 2022)
    KatholischNein (Segen möglich)
    FreiJa
    Geschiedene Personen
    ReformiertMeist möglich
    KatholischGrundsätzlich nicht
    FreiJa
    Gestaltungsfreiheit
    ReformiertMittel bis gross
    KatholischMittel
    FreiSehr gross

    Was viele vergessen: die Reihenfolge

    Kirchliche und freie Zeremonien dürfen in der Schweiz erst nach der Ziviltrauung stattfinden, nicht davor. Die meisten Paare planen beides am selben Tag: Ziviltrauung am Morgen, Zeremonie am Nachmittag. Manche trennen die beiden Akte auch auf verschiedene Tage. Beispielsweise eine kleine, intime Ziviltrauung und eine grosse Feier einige Wochen später. Beides ist möglich und wird immer beliebter.

    Jetzt habt ihr einen ersten Überblick über die verschiedenen Trauformen in der Schweiz. Weitere Informationen zur Hochzeitsplanung und welche wichtigen Schritte oft vergessen werden findet ihr im Planly Hochzeitsleitfaden 2026.

    Häufige Fragen zur Trauung in der Schweiz